Diese Woche wurde bekannt, dass Pornhub auf die digitale Währung Verge setzt. Und soeben macht die Meldung die Runde, dass mit Binance, einer der beliebtesten Crypto Exchanges die Verge Coin direkt gegen USD handelbar macht. Verge ist somit die momentan angesagteste Kryptowährung. Aber: Verge (XVG) ist als vermeintlicher Privacy Coin ist in der Krypto-Community recht umstritten. Wir zeigen auf, warum:

Besonderheiten von Verge

Verge ist laut seinen Entwicklern eine der derzeit innovativsten an der Erhaltung der Privatsphäre orientierten Kryptowährungen. Per Wraith-Protokoll, welches seit Anfang 2018 im Einsatz ist, sollen Nutzer die Möglichkeit erhalten, ihre Transaktionen optional vor unberechtigten Einblicken zu schützen. Dafür sorgen zwei Mechanismen in Verge: die Stealth-Adressen und das TOR-Routing.

Die Stealth-Adressen

Eine Stealth-Adresse definiert sich als ein genau einmal generierter Public Key, der für genau eine Transaktion verwendet wird. Stealth-Adressen bestehen aus drei Teilen: dem PVK – Public View Key, dem PSK – Public Spend Key und aus zufälligen Daten.

Die TOR-Integration

Die andere Besonderheit von Verge ist seine Integration mit dem Dienst TOR (The Onion Router). Über das TOR-Netzwerk können die Adressen der Sender verschleiert werden. Alle Verge-Nodes laufen seit dem Update des Wraith-Protokolls über das TOR-Netzwerk. Die Herkunft einer Transaktion ist damit nicht mehr zu erkennen. Stealth-Adressen reichen alleine nicht aus, um Transaktionen innerhalb einer Blockchain zu anonymisieren. Stealth-Adressen schützen zwar den Empfänger, nicht aber den Sender. Wenn die Überweisung nun von einer öffentlichen Adresse aus abgeschickt wird, wäre diese einsehbar. Man kann so das Guthaben von Senderadresse sowie sowohl ein- wie auch ausgehende Transaktionen beobachten. Bei einer Transaktion ist immer auch der überwiesene Betrag sichtbar. Dies ermöglicht eine zusätzliche Angriffsmöglichkeit, besonders dann, wenn sehr spezifische Beträge überwiesen werden.

Optionale Privatsphäre

Ein weiterer Nachteil, den leider auch viele weitere Privacy Coins haben, ist die „optionale Privatsphäre“ von Verge. Manche Transaktionen dürfen ruhig öffentlich sein – beispielsweise jene einer Spendenorganisation, welche ihren Spendern versichern möchte, dass die Gelder auch ankommen. Die Nutzung von Stealth-Adressen ist in Verge ein Opt-In, nicht ein Opt-Out. Anonymität ist also nicht Standard. Für die Veröffentlichung einer Wallet oder einer Transaktion gibt es einen expliziten View Key.

Der Stand der Technik

Das lang ewartete Wraith-Protokoll kam mit etwas Verspätung Anfang 2018. Es macht TOR-Integration zum Standard und ermöglicht Stealth-Adressen. Die Technologie von Verge ist allerdings nichts Neues. Stealth-Adressen sind an sich ebenfalls keine Innovation. Bereits Anfang 2014 schlug der verantwortliche Entwickler Stealth-Adressen für die Verwendung mit Bitcoin vor. Dies wurde allerdings zunächst abgelehnt.

Ausblick

Auf dem Fahrplan für das erste Quartal 2018 stehen für Verge sowohl technische als auch organisatorische Neuerungen. Technisch soll eine neue Wallet und eine Integration mit RSK ausgerollt werden. Organisatorisch sind ein Mining-Update, ein Online-Merchandise-Store und eine neu gestaltete Website geplant.

Zusammenfassung

Verge zeigt sich sehr optimistisch, was seine Technologie und die Möglichkeiten dieser Technologie betrifft. Der Code von Verge ist allerdings teilweise aus einem anderen Projekt übernommen und nicht so innovativ, dass er etwas darstellt, was die Kryptocommunity noch nie gesehen hätte. Die Privatsphäre der Benutzer ist in Verge nicht automatisch geschützt. Verge-Nutzer müssen sich gewahr sein, ausschließlich mit dem Einsatz von Stealth-Adressen zu arbeiten. Zudem sind Teile der Blockchain öffentlich und lassen damit über eine Blockchain Analyse Rückschlüsse auf Geldströme zu. Wer seine Geldströme sicher privat halten möchte, sollte sich besser nach etwas anderem als Verge umsehen.

 

 

Quellen