In Asiens Computer-Shops herrscht Goldgräberstimmung. Der anhaltende Boom der Kryptowährungen beflügelt den Handel mit Mining-Hardware – und sorgt dafür, dass das Angebot an Grafikkarten knapp wird.

Noch vor ein paar Jahren herrschte emsiges Treiben auf Asiens wichtigsten Märkten für Computer und Elektronikzubehör, etwa in Hongkongs Sham-Shui-Po-Distrikt oder im Singapurer Elektronik-Einkaufszentrum Sim Lim Square. Dann brach der Absatz von PCs ein und es wurde ruhig um die Computer-Shops. Wie die Nachrichtenagentur Thomson Reuters kürzlich meldete, hat sich das Blatt gewendet.

Grund dafür ist der Krypto-Mining-Boom. Die Computerläden wenden sich neuerdings gezielt an Miner. In ihrem Angebot befinden sich unter anderem Komponenten wie Grafikkarten, Motherboards, Netzteile und Ventilatoren. Und gegen eine geringe Gebühr bauen die Verkäufer in ihren mehrheitlich kleinen Läden fertige Mining-Rigs zusammen.

Halb so teuer wie in Europa

Die Kundschaft ist international. Sie stammt aus Asien, Europa und Afrika. In Hongkongs Shops kommen die meisten Kunden aus Russland. Dort sind die Stromtarife tief – sie betragen bloss ein Drittel der europäischen Durchschnittspreise. Und im Norden des Landes herrscht ein kaltes Klima, weshalb der Betrieb von Mining-Rigs nur wenig Kühlleistung erfordert.

Mining-Equipment in Asien zu kaufen lohnt sich. Ein russischer Bitcoin-Miner, den Thomson Reuters befragte, gab an, er könne vergleichbare Hardware in Hongkong 30 bis 50 Prozent günstiger erwerben als in Europa. Das liegt zum einen daran, dass Hongkong keine Mehrwertsteuer kennt. Zum anderen ist die Lieferkette kurz, befinden sich doch die meisten Chip-Hersteller in Asien.

Mining-Rig mit 500 Grafikkarten

Die Nachfrage nach Mining-Hardware ist in Asien so gross, dass die Computerläden mit ihrem Angebot nicht immer Schritt halten können. So erzählte ein Shop-Betreiber aus Singapur dem Reporter von Thomson Reuters, ein Kunde habe für umgerechnet 250’000 Schweizer Franken ein Mining-Rig mit 500 Grafikkarten kaufen wollen. Wenig später habe ein Miner nach 1’000 Grafikkarten gefragt. Der Händler musste beide Anfragen ablehnen, denn das Angebot an Grafikkarten ist derzeit knapp.

Dass auf dem asiatischen Markt viele Grafikkarten für das Mining von Kryptowährungen nachgefragt werden, ist auch in Europa zu spüren. Das IT-Magazin Computerbase stellte in seinem jüngsten Preisvergleich fest, dass die Preise verschiedener AMD- und Nvidia-Grafikkarten seit Dezember im zweistelligen Prozentbereich gestiegen sind. Spitzenreiter ist die AMD Radeon RX 580, die im Dezember noch für 249 Euro zu haben war, heute jedoch 449 Euro kostet – satte 80 Prozent mehr.

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