Eine Gruppe von Start-ups bieten Darlehen im Tausch gegen Kryptowährung als Sicherheit – zuzüglich Zinsen – sodass die Leute Zugriff auf ihr Kryptowährungsvermögen haben, ohne aber etwas auszugeben.

Eingefleischte Kryptowährungsfans stehen einem Dilemma gegenüber: Die echten Überzeugstäter möchten keinen Cash Out. Was ist jedoch der Vorteil davon, all dieses Vermögen in der Blockchain anzuhäufen, wenn man es nicht mal in der realen Welt nutzen kann?

Da kommen ein paar neue alternative Kredit-Start-ups ins Spiel, die es Krypto-Millionären nun ermöglichen, liquide zu werden, ohne ihr digitales Vermögen anzugreifen. Im vergangenen Jahr wuchsen ein halbes Dutzend neuer Kreditgeber-Plattformen wie Salt Lending, Sweetbridge, MoneyToken und EthLend wie Pilze aus dem Boden, einzig um Krypto-Händlern die Möglichkeit zu bieten, einen Kredit zu erhalten, für den sie ihre Kryptowährung als Sicherheit hinterlegen müssen.

Der Begriff „Kredit mit Bitcoins als Sicherheit“ sorgt bei manchen für Unwohlsein, aber Josh Galper, der geschäftsführende Direktor des Wertpapier- und Investment-Research-Unternehmens Finadium sagt, dass Kredite mit Kryptowährungen als Sicherheitspfand sich in ihrer Struktur nicht von herkömmlichen Krediten unterscheiden, für die ebenfalls eine Sicherheit erforderlich ist.

„Wenn Sie Ihre eigene IBM-Aktie haben, können Sie diese beleihen, erhalten einen Barkredit und können diesen nutzen, wie auch immer Sie möchten. Sobald Sie den Kredit plus Zinsen zurückzahlen, bleiben Sie weiterhin wirtschaftlicher Eigentümer Ihrer IBM-Sicherheit“, sagte Galper. „Wenn Sie Eigentümer einer Kryptowährung sind und jemand möchte diese im Gegenzug gegen Geld von Ihnen leihen, ist das ein annehmbarer Handel.“

Die bitcoin-gestützten Kreditplattformen bewerben sich damit, keine Liquiditätsprüfungen vorzunehmen oder Einkommensnachweise zu benötigen, und erheben auch keine Gebühren für vorzeitige Ablösung. Die Kreditbedingungen und APR ähneln denen von Privatkrediten ohne Sicherheiten, berichtet Bloomberg. Sie reichten von 10 Prozent Zinsen bis zu über 20 Prozent – abhängig davon, was der Kreditnehmer für eine Sicherheit anbietet.

Das Unternehmen Salt Lending mit Sitz in Denver wurde vom vormaligen COO der Southern Concepts Restaurant Group gegründet und begann am 28. Dezember 2017, Kredite mit Bitcoin und Ethereum als Sicherheit anzubieten. Mitbegründer Caleb Slade sagt, 1,1 Milliarde USD an Kreditanfragen habe das Unternehmen seit seiner Eröffnung erhalten, von denen Salt Kredite in Höhe von 22 Millionen USD an Privatkunden und Kryptowährungsunternehmen wie Mining-Betriebe vergeben hat.

Die Flüchtigkeit des Kryptowährungsmarktes kann jedoch Menschen, die Kredite aufnehmen, auch hart treffen. Ein App-Entwickler aus Georgia, der unbekannt bleiben möchte, nahm bei Salt einen Kredit in Höhe von 450.000 USD mit 18 % Zinsen auf. Als Sicherheit hinterlegte er umgerechnet 783.000 USD in Bitcoins, was 167 % entspricht. Dann fiel der Bitcoinpreis um nahezu 50 Prozent, was zu einem Margenausgleich führte. Er musste noch mehr Bitcoins als Sicherung hinterlegen, da Salt entsprechend den Kreditbedingungen sonst seine Bitcoins aufgelöst hätte. Diese wilden Schwankungen seien laut Aussage des App-Entwicklers normal. „Es funktioniert ja, besonders wenn man den Kredit für die Anschaffung neuer Kryptowährung einsetzt“, sagt er. Laut seiner eigenen Aussage nutzt der App-Entwickler die Kursschwankungen, um Salts eigene digitale Tokens zu erwerben, die ebenfalls Salt heissen. Diese erwirbt er günstig und macht am Ende noch Geld mit der Rückzahlung des Kredits.

Galper von Finadium sagt, dass viele traditionelle Kreditgeber in näherer Zukunft noch keine Kredite gegen Bitcoin als Sicherheit anbieten werden, wohingegen ein paar kleinere schweizerische Banken bereits in diese Richtung ihre Fühler ausstreckten. Salt gibt an, die Bank of Mauritius, die auf dem Inselstaat an der afrikanischen Ostküste beheimatet ist, als Partner zu haben. Die Kreditplattformen sind laut Meinung Galpers ein sehr deutliches Zeichen dafür, dass die Kryptowährungsindustrie langsam aber sicher eine parallele Finanzinfrastruktur zur Wertpapierbranche aufbaut.

Für einige dieser Start-ups ist die bitcoingebundene Kreditvergabe nur eine Tür zu anderen unangetasteten oder unterversorgten Kreditmöglichkeiten. Das in der Schweiz ansässige Sweetbridge plant, seine Krypto-Kreditplattform in rund einem Monat bei sechs Prozent Zinsen zu eröffnen. Das Start-up arbeitet laut Aussage von Sweetbridge-CFO David Henderson aber auch daran, Kreditleistungen für Unternehmen anzubieten, die es für gewöhnlich schwierig haben, Kreditlinien oder traditionelle Darlehen zu bekommen.

Sweetbridge erkundet verschiedene Möglichkeiten, Unternehmen dabei zu helfen, Vermögen aus ihren Erträgen oder Rechnungen zum Durchbruch zu verhelfen. Das Unternehmen unterhält eine Partnerschaft mit einer landwirtschaftlichen Rohstoffplattform, die versucht, Bauern in Asien, Afrika und Südamerika zu helfen, ihre zukünftigen Erträge durch günstige Kredite zu optimieren. Sie haben ausserdem einen Deal mit Mattereum abgeschlossen – einem Unternehmen, das die nötige Software bietet, um physikalische Vermögenswerte wie zukünftige Ernten in der Blockchain darzustellen. Das Unternehmen wurde mitbegründet von Vinay Gupta, einem früheren Mitwirkenden an Ethereum. „Kredite sind gerade einmal der erste Schritt zu einem Paradigmenwechsel“, so Gupta.

Quellen