Taiwan wird Initial Coin Offerings (ICOs) und Kryptowährungen wie Bitcoin nicht regulieren und somit auch nicht den harten Kurs fahren, den Länder wie China und Südkorea eingeschlagen haben.

Wellington Koo, der Vorsitzende der taiwanesischen Finanzaufsicht, bestätigte in seiner wegweisenden Erklärung heute im Rahmen der gemeinsamen Sitzung des taiwanesischen Parlaments und Kabinetts, dass Taiwan nicht China und Südkorea folgen und alle Aktivitäten in Bezug auf Kryptowährungen verbieten werde. Stattdessen, so der Chef der taiwanesischen Regulierungsbehörde, werde das Land eine freundlichere Haltung einnehmen und sowohl Entwicklung als auch Akzeptanz von Kryptowährungen und Blockchain-Technologie in Taiwan unterstützen.

Laut Bericht der News Lens war Koos offizielle Stellungnahme zur Haltung Taiwans die Antwort auf eine Anfrage des Abgeordneten Jason Hsu der taiwanesischen Nationalen Volkspartei, die schon lange die FinTech-Branche unterstützt und Deregulierung fordert.

News Lens zitierte Hsu:

„Nur weil China und Südkorea Verbote erlassen haben, heißt das nicht, das Taiwan denselben Weg gehen muss – es gibt enormes Wachstumspotenzial. Wir sollten uns vielmehr Japan zum Vorbild nehmen, wo Kryptowährungen eine stark regulierte und beaufsichtigte Branche sind, genau wie der Wertpapiermarkt.“

Laut Hsu wird nach Koos Erklärung auch der „Financial Technology Innovation Experimentation Act“ verabschiedet. Dieses Gesetz wird, wenn es in Kraft ist, ein Fintech-Labor für Kryptowährungs- und Blockchain-Startups in einem deregulierten Raum schaffen.

Die heutige Erklärung des obersten Regulierers in Taiwan stellt einen völlig anderen Ansatz zur Regulierung von Kryptowährungen und insbesondere Initial Coin Offerings (ICOs) dar. Letztere sind eine radikal neue Form der Kapitalbeschaffung mithilfe von Kryptowährungen wie Bitcoin und Ether.

Vor etwa einem Monat kündigte die chinesische Zentralbank ein grundsätzliches Verbot von ICOs an, da diese eine illegal Form der Kapitalbeschaffung seien. Diese drakonische Maßnahme löste eine Lawine aus, die zur Schließung aller Bitcoin-Handelsplattformen in der VR China führte. Vor einer Woche folgte Südkorea dem chinesischen Beispiel und verbot ICOs regional. Japan dagegen bestätigte ein Gesetz, das im April dieses Jahres Kryptowährungen als offizielles Zahlungsmittel anerkannte.

Vergangene Woche sagt Hsu, die restriktive Regulierung führe zu einer „Kettenreaktion“ der Regulierungs- und Aufsichtsbehörden weltweit.

„Ich fürchte, dass aufgrund des Verbots von ICOs in China und Südkorea das ganze heiße Geld in den taiwanesische Aktien- und Immobilienmarkt fließen wird“

wurde Hsu letzte Woche von der Financial Times zitiert. Alle Befürchtungen, Taiwan werde wie China und Südkorea Totalverbote erlassen, wie dies noch im FT-Bericht anklang, wurden jedoch durch die heute Ankündigung einer sanften Regulierung seitens der taiwanesischen Behörden zerstreut