Kryptowährungen wollten von Beginn an Mittelsmänner ausschalten. Doch genau die scheinen sich nun durch die Hintertür in das virtuelle Mining-Geschäft zu schleichen.

Die Japaner sind ja begeisterte Käufer von Bitcoin und ähnlichen Währungen. Aus dieser potenziellen Umsatzquelle wollen jetzt auch SBI HoldingsGMO Internet und andere Online-Wertpapierhändler schöpfen.

Miner müssen gigantische Server betreiben, die die Transaktionen auf der Blockchain der digitalen Währung verfolgen. Dabei müssen sie komplexe mathematische Probleme lösen, bevor die Betreiber auf Kryptogold stossen.
Aktuell sitzen viele der Miner in China, wo die günstigen Strompreise einen profitablen Betrieb ermöglichen. Nun möchten sich auch einige grosse japanische Mining-Firmen ein Stück des Kuchens sichern. Unter anderem dadurch, in dem sie beim Regulieren der Kryptowährungen mitreden und ihre Interessen vertreten werden.

Angesichts des Aufstiegs von Bitcoin will nun auch die Finanzbranche mitmischen. Heute kostet 1 Bitcoin etwa 538’000 Yen (ca. 4’800 USD). Aber nicht jeder kann Miner sein, denn wer die komplexen mathematischen Probleme am schnellsten bewältigen will, braucht mehrere Hochleistungscomputer. Das Rennen um diese virtuellen Goldstücke ist mit dem Wettrüsten vergleichbar: Nur wer über die notwendigen Ressourcen verfügt, kann mitmachen.

Der Bitcoin Code wird von einer Gruppe Informatiker geleitet, den sog. Core Developers. Sie legen die Regeln fest, aber auch die Miner spielen dabei eine gewichtige Rolle.

Etwa 70 % des Bitcoin-Mining erfolgt durch chinesische Firmen wie AntPool, ein Geschäftsbereich der Bitmain Technologies. In August eskalierte ein Streit über die Art und Weise, wie die Bitcoin-Transaktionen beschleunigt werden können. Daraufhin haben einige chinesische Miner die Währung gesplittet und Bitcoin Cash eingeführt, da sie befürchteten, für ihre Arbeit schlechter bezahlt zu werden.

Im September nahm die Geschichte erneut einen unerwarteten Verlauf: Die chinesischen Behörden begannen, die virtuellen Währungen zu regulieren, um die massive Spekulation im Zuge der sog. Initial Coin Offerings (ICO) zu stoppen. Über ein ICO kann ein Unternehmen schnell Gelder von Anlegern weltweit akquirieren, ohne dabei auf die Leistungen von Brokern und Banken angewiesen zu sein. Inmitten des Durcheinanders überholte Japan China und ist heute in Bezug auf das Transaktionsvolumen der grösste Markt.

„Wir suchen einen Weg, um die aktuelle Situation zu ändern, in der die chinesischen Betreiber eine gewichtige Stimme haben“

so SBI Präsident Yoshitaka Kitao.

Anfang September kündigten GMO und DMM.com an, auf dem Mining-Markt aktiv werden zu wollen. SBI und Monex Group planen denselben Schritt. Sowohl GMO als auch SBI betreiben virtuelle Währungsumtauschplätze und hoffen, im Mining-Bereich der Kryptowährungen Synergien zu entdecken. Laut Blockchain, einem britischen Startup, erzielen die Miner weltweit insgesamt 7,84 Millionen USD pro Tag – zehnmal so viel wie vor zwei Jahren.

Mehr noch: Es gibt bereits über 1.000 digitale Währungen und sie werden zu immer vielfältigeren Zwecken eingesetzt, sei es als Investition, zur Rechnungsbegleichung oder zur Finanzierung. Online-Wertpapierhändler hoffen, in diesem von enormem Wachstum geprägten Markt Fuss fassen zu können.

Aber da ist immer noch die Frage der Stromkosten. Im August gründete SBI einen neuen Mining-Farm. Geplant ist die Errichtung eines Mining-Standorts in einem Billigstromland ausserhalb von Japan. Gleichzeitig plant Monex die Ausgabe einer eigenen digitalen Währung mit einem eigenen Mining-Bereich.

GMO will im ersten Halbjahr 2018 10 Milliarden Yen (89 Millionen USD!) in das Mining-Geschäft investieren. Das Unternehmen entwickelt einen Server speziell zu Mining-Zwecken. Als Standort sind die skandinavischen Länder vorgesehen, wo Strom aufgrund der erneuerbaren Energien billig ist und bereits das kalte Klima der Überhitzung der Computer entgegenwirkt. Auch DMM.com plant Investitionen von 10 Milliarden Yen.

Bitcoin Mining Übersicht

Bitcoin Miners, market share (in percent)

Wird japan also zum neuen China? Nicht ganz – die Coins werden in Ländern mit Billigstrom geschürft, aber entschieden wird in Tokio. Mit der Verschiebung von Mining Power und Trading Volumen weg von China hin zu Japan verschiebt sich auch „die Macht“. Es wird langsam so richtig spannend und wir werden bald sehen, in welche Richtung diese geballte Macht lobbieren wird.

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