Negative Zinsen zahlen Firmenkunden und Vermögende bereits heute. Doch auch für Kleinanleger steigt mittlerweile die Gefahr, bei ihrer Bank Strafzinsen auf ihr Erspartes zu zahlen. In Deutschland erheben einige Banken und Sparkassen bereits solche Strafzinsen auf die Einlagen ihrer Kunden. Zwar trifft dies bisher nur Geschäftskunden und bei Privatleuten größere Spareinlagen von mehreren Hunderttausend Euro, aber viele Geldhäuser verlieren aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase langsam die Geduld. So steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Strafzinsen bald ein Thema für alle Sparer sein wird. Schließlich belastet die Europäische Zentralbank (EZB) das von den Banken bei ihr geparkte Geld mit einem Zinssatz von derzeit -0,4 Prozent.

Privatkunden UBS

Hier die aktuellen Zinssätze für Privatkunden bei der UBS AG. Zinsen gibt’s ,ausser fürs Jugensparkonto, keine mehr, nur noch Spesen.

Auf der Bilanzpressekonferenz des Bundesverbandes der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken wiegelt Verbandschefin Marija Kolak derzeit noch ab: Noch übernähmen die Banken für den Großteil ihrer Privatkunden diese Kosten. Dahinter steckt vor allem die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Niedrigzinspolitik der EZB. Kolak weist aber auch darauf hin, dass es den Banken immer schwerer falle, profitabel zu wirtschaften, vor allem, wenn im Mengengeschäft mit den Privatkunden langfristig von einer Weitergabe der Strafzinsen abgesehen wird.

Die Hoffnung der Banken auf ein Umschwenken der EZB in ihrer Zinspolitik und ein schnelles Ende der negativen Einlagezinsen ist mittlerweile weitgehend verpufft. Investoren gehen aktuell davon aus, dass der Kapitalmarkt in Zukunft durch weitere Senkungen des Einlagenzinses seitens der EZB belastet wird. Diese Erwartungen wirken sich nicht nur auf Spareinlagen sowie Tages- und Festgeldanlagen aus. Auch auf staatliche Anleihen in der Euro-Zone erhöht sich der Druck. Für Bundesanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren wurden in den vergangenen Wochen zeitweilig weniger als -0,4 Prozent Zinsen gezahlt.

Und das Ende der negativen Zinsentwicklung scheint noch nicht erreicht. Der Chef-Volkswirt der DZ-Bank Stefan Bielmeier befürchtet, weitere Turbulenzen am Kapitalmarkt könnten die Renditen weiter sinken lassen. Den Beginn des „ganz roten Bereichs“ sieht er bei einem Negativzinssatz von -1,2 Prozent. Bei dieser Entwicklung dürften auch für Kleinanleger Strafzinsen auf ihre Einlagen immer wahrscheinlicher werden.