Dass Daten auf Computern, USB-Sticks und Speicherkarten nach dem Bewegen in den Papierkorb nicht wirklich gelöscht werden, wissen nur wenige Menschen. Denn die Daten sind für den Nutzer zwar nicht mehr sichtbar, die jeweiligen Speichersegmente auf der Speicherkarte werden allerdings nicht überschrieben. Der Computer weiß lediglich nur, dass diese Segmente zum erneuten Beschreiben freigegeben wurden – werden sie allerdings nicht überschrieben, können diese Daten trotzdem wiederhergestellt werden.

Nothing’s Lost in Numbers

Mit gewöhnlichen Programmen zur Datenwiederherstellung können zwei Künstler aus Stuttgart Daten von Karten wiederherstellen, die sie in einer Online-Auktion erworben haben. Die Fotos wiederholen sich meistens zwar – es gibt Blumentöpfe, Familienfotos, aber auch sehr ungewöhnliche Fotografien wie z. B. einen Flächenbrand in einem afrikanischen Land. Unter dem Namen „Nothing’s Lost in Numbers“ werden die geretteten Fotografien ausgestellt. Obwohl es sich rechtlich hierbei um eine Grauzone handelt, möchten die zwei Künstler Menschen auf das Problem aufmerksam machen. Denn Daten sind zwar für den Nutzer nicht mehr sichtbar, können mit ein wenig Know-how leicht wiederhergestellt werden. Daher sollten vor der Verkauf von USB-Sticks oder Speicherkarten die Datenträger immer formatiert werden, damit die Daten nicht mehr wiederhergestellt werden können.

Menschen gehen in der heutigen Zeit oft leichtsinnig mit Daten um. Ein kleiner Knopfdruck und schon ist ein Foto auf dem Smartphone gesichert. Vielen Menschen ist jedoch nicht bekannt, wie viel Informationen ein solches Foto beinhalten kann. Das sichere Löschen ist natürlich möglich, aber mit ein wenig mehr Aufwand verbunden als das einfache Bewegen der Daten in den Papierkorb. Damit solche sensiblen Daten nicht einfach gerettet werden können, bieten die meisten Betriebssysteme eine Möglichkeit zum sicheren Löschen an. Diese dauert allerdings auch etwas länger, da alle Speichersegmente überschrieben werden. Damit ist eine Wiederherstellung der Daten unmöglich.

Über die Ausstellung „Nothing’s Lost In Numbers“

Nothing’s Lost In Numbers hinterfragt die Bedeutung und Realisierbarkeit des Löschens im digitalen Raum und testet unser Bewusstsein für die eigene Datensicherheit. Das ausgediente Smartphone ist verkauft, die vertraulichen Dokumente verstauben in der Cloud und die Login-Daten für das verwaiste Facebook-Profil sind längst vergessen. Wie wichtig ist uns noch die Kontrolle über unseren digitalen Fussabdruck? Können wir unsere Spuren im Internet verwischen oder lebt ein Teil von uns für immer weiter auf den Servern des Silicon Valley?

Der gebürtige Stuttgarter Fotokünstler Felix Gärtner (*1990) hat seinen Schwerpunkt unter anderem auf den Umgang mit „Found Footage“ und die Untersuchung von Zwischenmomenten in der Darstellung von digitalen Bildern gelegt. 2015 schloss er sein Fotografiestudium an der Fachhochschule Dortmund ab, er lebt und arbeitet in London. Romano Dudaš (*1991) lernte Felix in Stuttgart kennen. Er lebt und arbeitet in Berlin und ist zudem für die Kuratierung und Gestaltung von The Opéra verantwortlich, einer jährlich erscheinenden Publikation zum Thema Aktfotografie (Kerber Verlag). Romanos Interesse gilt dem Hinterfragen gelernter Sehgewohnheiten sowie der Rekontextualisierung verschiedener Medien.

Geleitet von Neugier aber zugleich begleitet von Unbehagen und einem Gefühl von Voyeurismus bewegen sich Ausstellungsbesuchende durch die von und Dudaš und Gärtner geschaffene Bilder-Blase aus Privataufnahmen und können sich dabei fragen: Könnten hier auch meine Fotos hängen?