Der Handel mit Kryptowährungen, also digitalen Zahlungsmitteln, scheint entgegen vieler Vorhersagen namenhafter Finanzexperten weiter zu boomen. Nun erwägen die Marshall-Inseln, eine eigene Staatswährung, basierend auf dem Prinzip rein digitaler Rechenarbeiten, einzuführen.

Marshall Islands

Bitcoin & Co. erfreuen sich großer Beliebtheit und werden trotz aller Vorbehalte von vielen Fiskalprofis, Spekulanten und vor allem Informatikern als DIE Währung der Zukunft angesehen. Die größte Hürde scheinen die Kryptowährungen mittlerweile gemeistert zu haben: Allzu starke Kursschwankungen wie Ende 2017 treten nicht mehr auf und die weltweit erfolgreichste Kryptowährung, der Bitcoin, führt mit einem Gegenwert von knapp 7.000 Euro (Stand 17. Mai 2018) die Charts der börsennotierten Profitoptionen an. Von der Ansicht, dass es sich bei virtuellen Zahlungsmitteln keineswegs um Kurzzeitphänomene handelt, scheint nun auch der Politkader der Marshall-Inseln fest überzeugt zu sein: Eine eigens eingeführte Digitalwährung alias Sovereign (SOV) soll bald als gesetzliches Zahlungsmittel ausgegeben werden. Ein deutliches Zeichen also zugunsten des Blockchain-Systems.

In jüngster Vergangenheit haben bereits einige Staaten ihren Glauben am Krypto-Boom bekräftigt. So zeigte sich insbesondere der asiatische Raum aufgeschlossen gegenüber Kryptowährungen: Japan und Südkorea akzeptierten diese sehr früh als Zahlungsmittel. Ebenso wird der Umgang in den USA gehandhabt: Rechnungen dürfen in Form digitaler Währungen beglichen werden, sofern beide Parteien diese akzeptieren. Andernfalls muss auf eine gesetzlich anerkannte Alternative, sprich auf den Yen (Japan), Won (Südkorea) oder Dollar (USA), zurückgegriffen werden. Die Marshall-Inseln, eine kleine Gruppe paradiesischer Plateaus im Mittleren Ozean, gehen nun einen Schritt weiter und planen, eine eigene Kryptowährung auszugeben – und diese in den Status eines gesetzlich vorgeschriebenen Zahlungsmittel zu heben. Demzufolge müsste jede Organisation und jedes Unternehmen die Begleichung von Rechnungen in Form des neu geschaffenen Sovereign akzeptieren.

Um die Währung erhalten und verwalten zu können, müssen sich interessierte der rund 72.000 Einwohner ein Wallet, eine Art digitales Portemonnaie, zulegen, sich verifizieren lassen und das Wallet durch den Eintausch des bereits gesetzlich anerkannten Zahlungsmittels (Dollar) füllen. Durch die Verknüpfung zwischen Personalien und Wallet soll Steuerhinterziehungen vorgebeugt werden. Ein löblicher Schritt, denn die Marshall-Inseln gelten als Paradies für Urlauber sowie Steuersünder gleichermaßen. Allerdings könnte die Identifikationsauflage dem Boom einen Dämpfer verpassen: Behördengänge und Wartezeiten dürften im Turbo-Zeitalter des World Wide Webs die Motivation, auf den Krypto-Zug aufzuspringen, schmälern.

Quellen

>> Marshall-Inseln wollen Kryptowährung als gesetzliches Zahlungsmittel
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