Er war der einst der CEO der grössten Bitcoin Börse bis ein Hackerangriff sein Unternehmen und die ganze Bitcoincommunity in die Tiefe riss: Mark Karpelès. Viele Kunden verloren ihr Geld. Anfangs Jahr wurde bekannnt, dass nun Mark Karpeles aus der Konkursmasse mehr als 30 Millionen US Dolar erhalten soll, was in der Bitocincomunity verständlicherweise für Unmut sorgte. Vorgestern richtete sich Mark Karpelès in einem Ask me Anything-Post (Fragt mich) auf dem Social Network Reddit an die Community und erklärte: Ich verzichte auf das Geld.

Da im Zuge des Konkurs von Mt. Gox auch viele Schweizer ihr Geld verloren haben, haben wir hier eine 1:1 Übersetzung der persönlichen Erklärung von Mark Karpelès angefertigt:

Ich bin Mark Karpelés, ehemaliger CEO des bankrotten MtGox. Fragt mich, was ihr wollt.

Liebe Community,
viele von euch kennen mich oder erinnern sich an mich – besonders seitdem die MtGox-Insolvenz vermeintlich mit den Bitcoin-Preisstürzen zwischen Dezember 2017 und Februar 2018 in Verbindung gebracht wurde. Nachdem ich die aktivste Bitcoinbörse im Jahr 2011 übernommen habe, betrieb ich MtGox bis zur Schliessung der Behörden am 28. Februar 2014, die dann weniger als 2 Monate später in Konkurs ging, weil eine grosse Menge an Bitcoins abhanden gekommen war. Seit diesem Tag sind vier Jahre vergangen und MtGox ist noch immer insolvent. Ich wurde festgenommen, nach knapp einem Jahr auf Kaution freigelassen und nun versuche ich, für MtGox die zivile Rehabilitation zu erreichen.

Ich tat mein Bestes, um das Ökosystem durch den Betrieb der damals grössten Börse zum Wachstum zu verhelfen. Ich hatte riesige Probleme, aber ich habe mich trotzdem immer reingehängt. Jedenfalls eine Zeit lang. Eine ziemlich lange Zeit sogar, während das restliche Ökosystem aufgeholt hat. Am Ende des Tages haben sich die von mir gewählten Methoden, MtGox aus der Krise zu verhelfen, als nicht ausreichend, unzureichend durchgeführt oder schlichtweg falsch erwiesen.

Mir ist schon bewusst, dass ich die letzten und sehr stressigen Tage des herausgezögerten und sehr schmerzlichen Gox-Zusammenbruchs nicht sonderlich gut bewältigt habe. Bei dieser späten Einsicht bin ich demütig. Noch einmal: es tut mir leid.

Das japanische Insolvenzrecht hat sich hier als besonders garstig erwiesen, und das möchte ich mal ganz zu Anfang klarstellen. Als die Forderungen der Gläubiger registriert wurden, wurden diese Forderungen am Insolvenzdatum in japanischen Yen registriert. Nur so kann das japanische Insolvenzrecht funktionieren (die meisten Insolvenzrechte weltweit vom funktionieren in der Hinsicht übrigens genauso). Das bedeutet, dass die Forderungen zwar komplett zurückgezahlt werden können, es aber immer noch über 160.000 Bitcoin und Bitcoin Cash im Gox-Vermögen gibt. Das Insolvenzrecht funktioniert hier so: wenn es noch irgendwelche verbleibenden Vermögenswerte gibt, nachdem die Gläubiger vollständig ausbezahlt wurden, werden diese Vermögenswerte im Rahmen der Geschäftsauflösung an die Anteilseigner verteilt.

Nachvollziehbarer Weise kann das Insolvenzrecht nur so funktionieren. Und in diesem Falle erzeugt es einen ungeheuer widerliches Ergebnis. Die Anteilseigner von MtGox würden nämlich als Resultat der Ereignisse mit 160.000 Bitcoins davon marschieren.

Das möchte ich nicht. Diese Milliarden von Dollar möchte ich nicht. Von Tag eins an habe ich niemals erwartet, aus dieser Insolvenz irgendeinen Profit zu ziehen. Dass das heute möglich ist, ist eine Fehlentwicklung – und ich bin der Ansicht, dass es in meiner Verantwortlichkeit liegt, dafür zu sorgen, dass das nicht passiert. Einer der Wege in diese Richtung wäre die zivile Rehabilitation und es scheint derzeit so, als würden die meisten Gläubiger diesem zustimmen. Ich tue jedenfalls mein Bestes, damit das passiert. Ich möchte nicht von jetzt auf gleich reich werden. Ich bitte auch nicht um Verzeihung. Ich möchte einfach, dass das so schnell wie möglich ein Ende hat, und dass jeder seinen Anteil, den er in MtGox investiert hat, zurückerhält – meine Wenigkeit eingeschlossen – und dass es für uns alle zu einem Abschluss kommt.

Ich bin aus tiefsten Herzen Ingenieur. Ich möchte Dinge aufbauen. Ich möchte sehen, dass die Dinge, die ich aufgebaut habe, nützlich sind und dass Menschen Freude daran haben, die von mir aufgebauten Dinge zu verwenden. Mein Antrieb war von Anfang an, die Grenzen des technisch Möglichen zu sprengen – und das ist auch der Hauptgrund dafür, dass ich von Anfang an den Bitcoin mochte und mit ihm zu tun hatte. Als ich MtGox übernommen habe, hätte ich mir niemals vorstellen können, dass es so endet, und es tut mir bis in alle Ewigkeit leid, was alles passiert ist und welche Auswirkungen es auf jeden einzelnen hatte.

Ich hoffe, dass ich die Lehre, die ich aus dieser Erfahrung gezogen habe, zu etwas Nützlichem für die gesamte Gemeinschaft machen kann, damit es am Ende wenigstens etwas Positives gibt.

Fragt mich, was ihr wollt.

Mark Karpeles – Doku

Hier eine etwas ältere Doku, worin Mark Karpeles allerdings recht negativ dargestellt wird. Erst als Nerd dann als unfähiger CEO und schlussendlich als Krimineller.

Quellen