Momentan kann der Bitcoin in zwei Worte zusammengefasst werden: Big Money! Gut, der Wert eines Bitcoins liegt zurzeit wieder bei etwa 14‘000 US-Dollar – weniger als auch schon. Aber verglichen mit dem Zustand vor nur einem Jahr, ist dies doch immer noch ein stattlicher Preis.

Der Boom der Crypto-Währungen brachte in letzter Zeit fette Gewinne für so einige frischgebackene Millionäre und einen Grund zur Euphorie – soweit alles schön und gut… Wäre da nicht die sich allmählich immer mehr in den Vordergrund drängende Paranoia.

Wenn man bedenkt, dass der digitale Charakter dieser Währungen eine perfekte Einladung für verschiedene Hacker darstellt, ist diese Angst mehr als verständlich. Nur im Dezember 2017 haben auf diese kriminelle Weise Bitcoins im Wert von mehr als 60 Millionen US-Dollar ihren Besitzer gewechselt.

Deshalb ist es nur logisch, dass sich die neuen Millionäre nach geschützten Orten umsehen, wo sie ihr Vermögen sicher vor Hackerangriffen aufbewahren können. Und nein, diese neuen Aufbewahrungsorte befinden sich nicht im Cyberspace, wie etwa digitale Wallets.
Eine interessante Aufbewahrungsmöglichkeit bietet unter anderem ein Schweizer Bunker, der sich gut versteckt unter einem Berg in der Nähe der Gemeinde Attinghausen im Kanton Uri befindet.

Der Journalist Joon Ian Wong von der Londoner News-Seite Quartz wollte dieser Geschichte nachgehen und sich mal den Bunker aus der Nähe ansehen. Er ist – abgesehen von den Mitarbeitern von Xapo – einer der einzigen, die diesen Ort jemals zu Gesicht bekommen haben.
Die strengen Sicherheitsvorkehrungen der Anlage könnten es auf jeden Fall problemlos mit Bond-Filmen aufnehmen.

«Sie haben auch noch zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen, die das gebunkerte Vermögen sogar vor einer Detonation einer elektromagnetischen Bombe schützen würden.», wundert sich der Journalist.

Physische Aufbewahrung für virtuelles Geld? Wie funktioniert das?

     

Der Besitzer des Attinghausener Sicherheitskomplexes ist kein Geringerer als die Gesellschaft Xapo, die vom Unternehmer Wences Casares gegründet wurde.

Auf die Fragen des Journalisten nach dem Gesamtwert der aufbewahrten Bitcoins reagierten dessen Mitarbeiter verständlicherweise etwas wortkarg. 

«Sie wollten es mir nicht verraten.», sagt Wong. «Jedenfalls liess ein offensichtlich etwas weniger vorsichtiger Mitarbeiter verlauten, dass hie und da Kunden mit millionenschweren Bitcoin-Vermögen zu ihnen in die Anlage kämen…», fügt er hinzu.
Logischerweise fragt man sich, warum eine virtuelle Währung überhaupt physisch in einem Bunker gespeichert werden sollte und wenn ja, wie soll das denn gehen?

Selbstverständlich werden hier nicht Bitcoins an und für sich gespeichert; gespeichert werden hingegen kryptographische Schlüssel, die als Zugriff auf die Guthaben im Bitcoin-Netzwerk dienen. Der Bunker funktioniert also als Bewacher vor unbefugten Zugriffen auf diese Privat-Schlüssel, indem diese auf Offline-Geräten gespeichert werden – die Betonung liegt hier klar auf Offline.                         

Militärische Präzision

Als der Bitcoin-Preis rasant in die Höhe schnellte, machten Gerüchte die Runde, dass es auch Hacker gäbe, die selbst die am gewissenhaftesten geschützten Accounts knacken könnten.
So wurden auch Firmen wie Xapo zu begehrten Zielscheiben für Diebstähle.

«Eine der effektivsten Möglichkeiten überhaupt, wie man Bitcoins vor Hackerangriffen schützen kann, ist diese einfach offline zu speichern.», erklärt Wong. «Dieser Bunker ist also eine ins Extreme getriebene Möglichkeit, Bitcoins in einer Offline-Umgebung aufzubewahren.»

«Sehr wahrscheinlich bin ich der erste Journalist, dem der Zutritt in diese Anlage gewährt wurde. Allerdings gab es da noch so einige Bereiche, zu denen mir der Zugang leider verwehrt blieb.», fügt er hinzu.

Das Spannende daran ist, dass es sich bei diesen Räumlichkeiten, die sich in Granitgestein eingemeisselt in der Nähe der Gemeinde Attinghausen befinden, um einen stillgelegten Militärbunker handelt. An ihm sind auch heute noch Überbleibsel aus der Ära des Kalten Kriegs zu erkennen.

«Es gibt hier ganze Bereiche, die seitdem unberührt geblieben sind…», schildert Wong. «Zum Beispiel befindet sich hier noch ein alter Kartenraum mit riesigen Landkarten an den Wänden, oder eine alte Funkausrüstung, Konferenztische und noch vieles mehr!»

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Eingang zum Rechenzentrum (Joon Ian Wong/Quartz)

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Lobby des Rechenzentrums mit gläserner Drehschleuse (Joon Ian Wong/Quartz)

Lobby des Rechenzentrums mit gläserner Drehschleuse (Joon Ian Wong/Quartz)
Die Eingangspforte des Bunkers besteht, wie erwartet, aus massiven Stahltüren.

«Mir wurde erzählt, dass diese Türen jeden Abend geschlossen werden und dass ihnen sogar nukleare Katastrophen nichts anhaben können.», erzählt Wong weiter.

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Ein kurz erhaschter Blick in einen der ausgehöhlten Tunnels der Sicherheitszentrale, wo die Krypto-Schlüssel zu den Bitcoins gespeichert werden. (Joon Ian Wong/Quartz)

Den Hackern einen Schritt voraus

Wenn ein Kunde Bitcoins abheben will, so bedeutet dies eine sich aus mehreren Schritten zusammensetzende Prozedur.
Laut Wong läuft die Sache folgendermassen ab: ein Kunde, der Bitcoins abheben will, kontaktiert die Firma Xapo, die daraufhin einen dafür verantwortlichen Mitarbeiter in den Hauptkontrollraum schickt, der dort die gewünschte Transaktion bestätigt, um dann die „Geldmittel“ dem Kühlraum zu entnehmen und diese dann in die Wallet des Kunden übergibt. Aber zuvor müssen noch zwei weitere Bestätigungen von zwei anderen Xapo-Einrichtungen, die sich auf verschiedenen Kontinenten befinden, eingehen.

Nur so kann Xapo bei allen Schritten die Sicherheit der Geldmittel des Kunden gewährleisten, sogar auch dann, wenn die Attinghausener Bunkeranlage aus irgendeinem Grund in Gefahr käme.
Für all diese strengen Sicherheitsmassnahmen gibt es einen guten Grund: Der Xapo Bitcoin-Speicher wird laut den Worten der dortigen Mitarbeiter permanent von Hackern angegriffen.

«Ihr ausgeklügeltes Sicherheitsmodell schützt sie gegen gut organisierte und grosszügig finanzierte Hacker-Gruppen.», erklärt Wong mit unverhohlener Bewunderung.

«Hinzu kommt noch, dass in den letzten Monaten mehrere unabhängige Forscher auf Beweise gestossen sind, dass Nordkoreas Regierung entweder Hacker gesponsert oder sogar selbst Hackerangriffe auf die südkoreanische Bitcoin-Börse verübt hat. Wenn also sogar ganze Nationalstaaten Bitcoins an sich zu reissen versuchen, so ist dies definitiv eine ernstzunehmende Bedrohung.

Falls der Wert des Bitcoins in diesem Jahr weiter steigen sollte, so können sich jedenfalls Xapo und ähnliche Unternehmen bald auf weitere gut betuchte Kunden freuen.», meint der Journalist.

Quelle

Aus dem Englischen „http://www.cbc.ca/radio/day6/episode-371-iran-nuclear-deal-plastic-toy-waste-kaepernick-bitcoin-bunkers-spotify-vs-composers-and-more-1.4470486/millionaires-are-stashing-their-bitcoin-fortunes-in-a-fortified-bunker-under-a-swiss-mountain-1.4470521