Eine Studie der Universität Cambridge liefert eine der umfassendsten Untersuchungen des Cryptocurrency-Marktes, die bisher veröffentlicht wurden. Sie schätzt die Zahl aktiver Nutzer von Kryptowährungen auf 2,9 bis 5,8 Millionen.

Garrick Hileman und Michel Rauchs vom Cambridge Centre for Alternative Finance haben 144 Unternehmen aus 38 Ländern befragt, die zusammen mehr als 75 Prozent des Kryptowährungs-Marktes ausmachen. Zu den befragten Unternehmen gehören Handelsplätze, Anbieter von Wallets, Zahlungsdienstleister und Miner.

35 Millionen Wallets, 3 bis 6 Millionen User

Aus den Angaben der Studienteilnehmer und den Download-Statistiken größerer Wallet-Anbieter schließen die Forscher, dass 2016 rund 35 Millionen Wallets existierten. Sie schätzen, dass etwa 5,8 bis 11,5 Millionen der Wallets aktiv genutzt werden. Gestützt auf die Annahme, dass jeder User durchschnittlich zwei Wallets besitzt, kommen Hileman und Rauchs zu einer Zahl von 2,9 bis 5,8 Millionen Menschen weltweit, die eine oder mehrere Kryptowährungen benutzen.

Bisher existierten wenige Schätzungen bezüglich der Nutzerbasis von virtuellem Geld. Die Distrikt-Notenbank von Boston nimmt an, dass im Jahr 2015 2,8 Millionen Amerikaner Kryptowährungen besaßen. Coinbase und ARK Research berechneten, dass 2016 insgesamt 10 Millionen Menschen im Besitz von Bitcoins waren.

Steigende Marktkapitalisierung

Die Cambridge-Studie zeigt außerdem, dass der Marktanteil des Bitcoin an den Kryptowährungen in den letzten Jahren kontinuierlich abnahm. Lag er im März 2015 noch bei 86 Prozent, befand er sich zwei Jahre später bei 72 Prozent. Alternativen wie Ethereum, Dash, Monero, Ripple oder Litecoin machen dem Bitcoin zunehmend Konkurrenz. Die gesamte Marktkapitalisierung von Bitcoins und Altcoins war Anfang April 2017 mit 27 Milliarden US-Dollar dreimal so hoch wie im Frühjahr 2016.

Nicht mehr berücksichtigen konnten die Studienautoren das Kursfeuerwerk seit Anfang April. Gemäß Coin Dance hatten am 9. Mai 2017 alle virtuellen Währungen zusammen ein Volumen von 53 Milliarden US-Dollar. Der Marktanteil des Bitcoin verringerte sich dabei auf 54 Prozent. Haupttreiber hinter den dramatischen Änderungen ist die seit 1. April geltende Anerkennung des Bitcoins als legales Zahlungsmittel in Japan. Sie hat das Vertrauen der Investoren in Bitcoin und andere Kryptowährungen deutlich gestärkt.

Lohnendes Mining

Hinsichtlich der Zusammenarbeit zwischen Kryptogeld-Unternehmen und der öffentlichen Hand liefert die Cambridge-Studie ein interessantes Detail: Während 52 Prozent der kleineren Handelsplätze staatlich lizenziert waren, besaßen nur 35 Prozent der großen Handelsplätze eine behördliche Genehmigung.

Der Wechselkursanstieg von Bitcoins und Altcoins während der vergangenen Jahre befeuerte das Wachstum der Mining-Industrie. Im letzten Jahr generierten die Miner aus Block Rewards und Transaktionsgebühren einen Ertrag von über 2 Milliarden US-Dollar. 2010 lag der Gesamtertrag noch bei bescheidenen 200.000 Dollar. Der Erlös des Minings fließt zu einem erheblichen Teil nach China. Denn aufgrund der günstigen Energiekosten befinden sich 58 Prozent der Mining-Pools und -Farmen im Reich der Mitte.

Kryptowährungen schaffen 1.800 Stellen

Derzeit arbeiten bereits über 1.800 Personen Vollzeit für die Cryptocurrency-Industrie, die Mehrheit davon in Asien und den USA. Da einige der befragten Unternehmen keine Angaben zu ihren Mitarbeitern machten, dürfte die effektive Zahl der Beschäftigten sogar über 2.000 liegen.

Die Studie aus Cambridge zeigt, dass virtuelle Währungen zu einem ernst zu nehmenden Wirtschaftsfaktor geworden sind. Oder in den Worten von Garrick Hileman ausgedrückt: „Viele betrachteten Kryptowährungen wie den Bitcoin bloß als vorübergehende Modeerscheinung oder als unwichtig. Diese Sichtweise widerspricht immer mehr den Daten, die wir beobachten.“

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