Auch mit der Einführung der Blockchain-Technologie sind, wie bei sonstigen Risikotechnologien – sei es Bio-, Nuklear- oder auch KI-Technologie – diverse, ungeklärte ethische Fragen verbunden. Bitcoin selber ist kein Betrug, aber viele dubiose Gestalten nutzen die Unwissenheit der Menschen über diese neue Technologie für ihre zwielichtigen Angebote aus. Das soll jetzt aufhören:

So forderte ein Zusammenschluss von Wirtschaftswissenschaftlern, Juristen und Wissenschaftlern weiterer Fachrichtungen im Oktober auf dem „Cryptoeconomic Systems Summit“ am MIT in Cambridge neben der technischen Weiterentwicklung der Technologie auch die Etablierung einer interdisziplinären Blockchain-Ethik voranzutreiben.

Der Gedanke dahinter: noch betrachten viele, potentielle Nutzer die Blockchain-Technologie mit Argwohn, fast jeder hat schon einmal von windigen Geschäften, Hacks und sonstigem Missbrauch dieser auf Dezentralisierung basierenden Technologie gehört. Regierungen fürchten zudem Kontroll- und Machtverlust und schließen, wie beispielsweise China, Handelsbörsen für Blockchain-Währungen.
Die Forscher hoffen nun, mithilfe ihrer Initiative das positive, unhierarchische Potential der Blockchain-Technologie zu schützen, indem sie ethische Grundsätze formulieren, deren mittelfristige Implementation in den Code Vertrauen schaffen bzw. wieder herstellen soll.

Insbesondere der transparente Umgang mit Sicherheitslücken steht dabei im Mittelpunkt, hier sehen sich Nutzer, aber auch Programmierer und Plattformen mit diversen Dilemmas ethischer Natur konfrontiert.

Ist es etwa vertretbar, dass die Offenlegung von Sicherheitsrisiken unter Umständen den Anwendern der Erhalt ihrer Werte gefährdet? Was ist mit Nutzern, die ganz legal von Lücken profitieren?

Die Stimmungslage innerhalb der Forschercommunity ist hierbei eindeutig: ca. zwei Drittel der 1262 Teilnehmer einer Twitterumfrage im Rahmen der Konferenz sind der Meinung, es sei durchaus angemessen Lücken in „realen, intelligenten Blockchainverträgen“ zu finden.
Quinn DuPont, Assistant Professor am University College Dublin, fasst es so zusammen: durch konsequente Offenlegung der Ergebnisse der Sicherheitsforschung würde man den Leuten quasi einen Leitfaden für Bankraub an die Hand geben.

Nur wenn sich mittels einer zukünftigen Blockchain-Ethik legitimierte, standardisierte Richtlinien etablieren würden, könnte die Blockchain-Forschung derartige ethische Probleme auf Dauer entschärfen.