Hypothek aufnehmen und dafür noch Geld von der Bank bekommen? Was komplett absurd klingt ist ab sofort Tatsache: Das dänische Kreditinstitut Jyske Bank hat die weltweit erste Hypothek mit negativem Zinssatz aufgelegt. Sie vergibt Kredite an Hausbesitzer und die, die es gerne sein möchten, mit einem jährlichen Zinssatz von minus 0,5%. Negative Zinssätze bedeuten effektiv, dass eine Bank dem Kreditnehmer den aufgenommenen Kredit jährlich um den Nominalzins kürzt, sodass dieser weniger zurückzahlen muss, als er initial geliehen hat.

Die Jyske Bank, Dänemarks drittgrößte Bank, bietet Kreditnehmern einen 10-Jahres-Deal zu -0,5% an, während eine andere dänische Bank, Nordea, 20-Jahres-Deals zu 0% und eine 30-Jahres-Hypothek zu 0,5% anbietet. Im Rahmen der negativen Hypothek leisten Kreditnehmer wie gewohnt eine monatliche Tilgungsrate an die Jyske Bank. Der noch ausstehende Kreditbetrag wird jedoch jeden Monat um mehr gekürzt, als der Kreditnehmer gezahlt hat.

„Wir geben Ihnen kein Geld direkt in die Hand, aber Ihre Schulden reduzieren sich jeden Monat um mehr als den Betrag, den Sie für die Tilgung aufwenden“

sagte Jyskes Immobilienökonom Mikkel Høegh.

In Anbetracht der Neuheit dieses Hypothekenkredites reagieren einige Kunden der Bank mit Verwirrung. Daher finden sich in den FAQ auf der Internetseite der Jyske Bank zahlreiche Einträge wie „Hvordan kan det lade sig gøre?“ (Wie ist das möglich?) und

„Ja, du hast richtig gelesen“

Die Hypothek ist möglich, weil in Dänemark sowie in Schweden und der Schweiz die Zinssätze an den Geldmärkten auf ein Niveau gesunken sind, das das Bankgeschäft auf den Kopf stellt. Laut Høegh ist die Jyske Bank in der Lage, in den Geldmarkt einzusteigen und Kredite von institutionellen Anlegern zu einem negativen Zinssatz aufzunehmen, und gibt diesen lediglich an ihre Kunden weiter.

Die Kehrseite ist jedoch, dass Sparer auf ihre Einlagen keine Zinszahlungen erhalten – und möglicherweise auch Verluste erleiden, wenn auch der Einlagenzins negativ wird. In der Schweiz teilte die Bank UBS ihren vermögenden Kunden letzte Woche mit, dass diese nun eine Gebühr von 0,6% pro Jahr abführen müssen, wenn sie mehr als 500.000€ auf ihrem Konto hinterlegen.

In Dänemark sind die Zinssätze für Spareinlagen bei Jyske bereits auf Null gefallen. Jetzt denken die Banken in Dänemark darüber nach, der Schweiz zu folgen und negative Einlagensätze zu einzuführen.

„Derzeit haben wir für Einlagen keinen negativen Zinssatz. Bankinterne Diskussionen dazu sind jedoch schon auf höchster Ebene in Gange. Es ist nur so, dass hier keine Bank die ersten Schritte in Richtung negativer Einlagensätze unternehmen möchte“

sagte Høegh.

Während der Leitzins der Bank of England 0,75% und der Leitzins der Europäischen Zentralbank 0,00% beträgt, beträgt dieser in Dänemark (das nicht zur Eurozone gehört) -0,4%. In Wirklichkeit wird der Hypothekenschuldner von Jyske in Dänemark wahrscheinlich etwas mehr zurückzahlen als geliehen, da immer noch Gebühren und Entgelte zu zahlen sind, um die Bank für die Abwicklung des Geschäfts zu entschädigen, selbst wenn der Nominalzins negativ ist.