Die Nachricht, dass Facebook mit „Calibra“ eine globale Kryptowährung auf den Markt bringen möchte, hat die Finanzwelt aufgeschreckt. Führende Vertreter aus Geldwirtschaft und Politik haben ihre Befürchtungen zum Ausdruck gebracht. So hat Bundesbank-Präsident Jens Weidmann die Stabilität von Stablecoins wie Libra in Frage gestellt und warnt davor, dass die Geschäftsmodelle der Banken obsolet werden könnten. Und sein Vorstandskollege Joachim Wuermeling hat Angst, dass „im Geldsystem der Wilde Westen zurückkehrt“. Wuermeling fordert eine „globale Antwort auf die Pläne von Facebook“ und macht sich große Sorgen, dass im Zuge der Gründung einer eigenen Währung der Konzern als Gläubiger Staaten von sich abhängig machen könnte.

Insbesondere die Anzahl der Menschen, die Facebook mit Libra erreichen kann, ist für Wuermeling besorgniserregend. Das soziale Netzwerk hat im Moment 2,7 Milliarden Nutzer. Selbst wenn Facebook nur einen Bruchteil seiner User für Libra mobilisieren könnte, verfügte das Unternehmen in diesem Fall bereits über eine große Marktmacht. Und staatlichen Währungen wie dem Euro droht dann der Bedeutungsverlust. Jedoch ist Wuermeling nicht völlig hoffnungslos, denn der französische Finanzminister Bruno Le Maire hat die Initiative ergriffen. Frankreich hat derzeit den Vorsitz der G7-Gruppe inne und Le Maire somit eine Schlüsselrolle. Der Finanzminister will sich für eine schärfere Kontrolle von Facebook einsetzen.

Auch die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) blickt mit sorgenvoller Miene auf Libra. So könnten große Konzerne umfassende Datenbestände sammeln und ein Monopol errichten. Dabei hat die BIZ nicht nur Facebook im Auge, sondern auch die beiden chinesischen Unternehmen Alibaba (Alipay) und Tencent (WeChat). Die BIZ fordert strengere Vorschriften.