Lange wurde Kryptowährungen vorgeworfen, bloß in einer Finanzblase zu existieren. Dabei waren sie reine Schachfiguren auf einem Brett, die durch Wertsteigerungen und Wertverluste das Spiel steuerten. Dies änderte sich jedoch, nachdem Bitcoin von den ersten Unternehmen als Zahlungsmethode akzeptiert wurden. Plötzlich war die stärkste Kryptowährung auf dem Markt nicht nur eine spekulative Wertanlage, sondern konnte mit echtem Mehrwert punkten. Bis heute stehen viele Großunternehmen Kryptowährungen als Zahlungsmittel immer noch skeptisch gegenüber, während Blockchain-Technologien als dApps (dezentralisierte Apps) immer öfter eingesetzt werden. Gibt es trotzdem eine Zukunft für Bitcoin und andere Altcoins als Zahlungsmittel?

Luxusartikel ziehen mit

Für viele Anbieter scheint der schwankende Kurs von Bitcoin zu gefährlich, um die Kryptowährung als Zahlungsmittel anzunehmen. Anders sieht dies bei einigen Verkäufern von Luxusartikeln aus. Der Besitzer von Post Oak Motor Cars, Tilman Fertitta gestattet den Kunden seiner Luxusschlitten die Zahlung mit der Kryptowährung. Nachdem der milliardenschwere Unternehmer selbst in Bitcoin angelegt hat, sieht er wohl keinen Grund, weshalb Zahlungen mit der wertvollsten Blockchain nicht erfolgen sollten. Zusätzlich sieht er in der Kaufabhandlung zahlreiche Vorteile. Bitcoin sind an keine Banken gebunden und können mit einer simplen Transaktion übermittelt werden. Seine internationalen Kunden müssen bei Auslandsüberweisungen der großen Summen per Bank nämlich hohe Spesen und längere Wartezeiten in Kauf nehmen – diese fallen mit der Blockchain weg. Aber nicht nur Autos sollen mit Bitcoin bezahlt werden können, auch Luxusimmobilien reihen sich hier ein. Der Hedgefonds-Manager Roy Niederhoffer verkaufte eine seiner wertvollsten Immobilien in Manhattan gegen eine Bitcoinzahlung. Das Haus kam für 15,9 Millionen US-Dollar auf den Markt, was zu dem damaligen Zeitpunkt etwa 37,9 Bitcoin entsprach. Derzeit steht der Kurs bei 8.867,79 US-Dollar pro Token und steigt relativ stetig an (Stand: 7.5.2019).

Photo by Toby Parsons; CC0 Public Domain

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Staatliche Zahlungen

Tatsächlich interessieren sich auch einige Politiker aus verschiedenen Nationen für Kryptowährungen. Der US-amerikanische Bundesstaat Ohio entschied sich, gewisse Steuern auf der eigenen Website per Bitcoin bezahlen zu lassen. Darunter fallen z. B. die Mehrwertsteuer sowie Steuern für Zigaretten, Tabak und Benzin. Insgesamt können über 20 verschiedene Steuertypen mit der Blockchain abgerechnet werden. Diese Initiative sollte Unternehmer dazu motivieren, in die Kryptowährung zu investieren und die dezentrale Währung ohne Banksystem fördern. Ein anderes Anwendungsgebiet von Kryptowährungen haben Länder entdeckt, die mit Hyperinflationen kämpfen müssen. Bürger und Unternehmer aus Ländern wie Venezuela oder dem Iran sehen daher Kryptowährungen als gute Investition, die nicht von internationalen Bankensystemen abhängt und dadurch auch nicht durch die Inflation im Land beeinflusst wird. Auch neue Kryptowährungen, wie der Venezuelische Petro, die mit der inländischen Fiatwährung verknüpft sind, werden bereits in einigen Ländern benutzt. Die landeseigene Kryptowährung hat dann denselben Wert wie die offizielle Landeswährung und ist deswegen weniger volatil als unabhängige Kryptowährungen wie Bitcoin und Etherum. Dennoch kann sie einfach mit der Blockchain-Technologie überwiesen werden. So können Überweisungen ins Ausland günstiger und schneller durchgeführt werden.

Kryptowährungen im täglichen Einkauf

Bisher werden Bitcoin und Co. besonders für große Zahlungen eingesetzt, da hier viele Spesen des Banksystems wegfallen. Für kleine Einkäufe scheint es sich in den Augen zahlreicher Verkäufer noch nicht zu lohnen, die Kryptowährungen anzubieten, da diese durch ihre starken Schwankungen ein Risiko von Wertverlust mit sich bringen. Nachdem Bitcoin Anfang des Jahres stark an Wert verloren hat, steigt die Kryptowährung seit einigen Monaten wieder rasant an und wirkt mittlerweile relativ stabil. Bei Bitcoins letztem Rekordhoch hatten viele Finanzexperten den Wert auf eine Finanzblase geschoben, die zu platzen drohte. Dieses Mal sind Anleger durch längere Erfahrungen mit der Kryptobörse besser informiert und das neuerliche Hoch kann immer mehr auf langfristigen Erfolg schließen lassen. Sollte sich Bitcoin tatsächlich über einen langen Zeitraum halten können, werden mit Sicherheit viele Unternehmen im Online-Bereich auf den Zug aufspringen. Die Spieleplattform Steam bot Bitcoin zeitweise als Zahlungsmöglichkeit an, musste dies jedoch wieder revidieren, als Preisschwankungen zu riskant wurden. Auch im eCommerce-Bereich wurde immer wieder mit dem Gedanken gespielt. Es besteht in Zukunft die Möglichkeit, dass der Online-Lieferservice Ali Express auch jene Zahlungen ermöglichen wird. Auch im Bereich des Online-Spiels sind die Unternehmer immer an neuen Entwicklungen der Finanzbranche interessiert. In Online-Casinos wie Betway kann derzeit zwar nur mit den eWallets PayPal und Neteller, sowie mit der klassischen Banküberweisung oder Visa-Karte Guthaben eingezahlt werden, als Unternehmen am Puls der Zeit werden sie jedoch mit Sicherheit zu den ersten gehören, die auf den Krypto-Zug aufspringen, sobald sich eine Kursstabilität von Bitcoin bewiesen hat.

Während Bitcoin als wertvollste Kryptowährung auf dem Markt gute Chancen darauf hat, in herkömmlichen Zahlungsabwicklungen bald schon von zahlreichen Unternehmen angenommen zu werden, steht es um viele der anderen Altcoins nicht ganz so gut. Auf lange Sicht müssen sowohl Bitcoin als auch die Altcoins Stabilität in ihrem Wert beweisen, um als Zahlungsmethode im täglichen Leben interessant zu werden.